Allein, Allein…

Wie? Allein? Was bedeutet die Überschrift dieses Eintrages? Ganz einfach. Wir sind wieder allein. Warum denn? Ja, das werden sich wohl einige fragen.

Es ist nun mal so, dass man sich sehr mögen kann, aber nicht miteinander leben kann. Und genau das ist bei uns passiert. So hat Justine eine Familie gefunden, in der sie für sich angenehmer lebt und wir sind eben wieder alleine. Leider konnten wir das Projekt Gastfamilie nicht bis zum Ende durchhalten.

Ob und wann wir wieder jemanden aufnehmen, das steht in den Sternen. Zumindest werden wir warten, bis die Jungs soweit groß sind, dass sie halbwegs im gleichen Alter wie der Gast sind. Ich denke, das macht die ganze Geschichte einfacher.

Falls jemand Fragen oder sonst was hat, nur her damit. Ich versuche sie, so gut es geht zu beantworten. Ich möchte jetzt nicht allzu viel zu dem Thema öffentlich schreiben.

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Die größte Überraschung überhaupt

Am 1. Dezember hat mich mein Wecker mal wieder geweckt. Äh, zu früh für mein Gefühl. Aber die Uhrzeit war richtig. Oh, mir hat jemand über Facebook geschrieben. Mh, was ist das denn?? 1:49 Uhr geschrieben. „Hi, my name is Shondra.“ Ja, ich habe meine Brille noch auf dem Nachttisch liegen gehabt. „Was für ein Scheiß Spam ist das denn schon wieder? Was will die mir denn andrehen? Was soll das? Und das noch mitten in der Nacht?“ Es war wirklich viel geschrieben. Also Augen zusammen kneifen und noch mal kucken. „Hi Heidi. My name is Shondra. My son, Ryan is dating Justine. “ – „Was zur Hölle soll das jetzt? Justine hat doch einen Freund in Amerika…….. Moment, der heißt auch Ryan. AAAAAHHHHH! Das wird Ryan´s Mutter sein.“ Also nochmal von vorne. Aber mit Brille. Hier die Kurzfassung:

Ryan´s Eltern und Justine´s Eltern wollten die beiden überraschen und Ryan für einige Zeit nach Deutschland schicken.

Ich habe erst mal geschrien. Ich schrei ja ständig. Wie süß, die Vorstellung. Es war einfach nur toll. Und vor allem so besonders. Ein Geschenk, wie es nicht größer sein könnte. OK, es gibt vielleicht einiges, das größer wäre. Aber für Justine nicht.

Also ging es los. Ich habe einen regen Chatverlauf mit Shondra begonnen. Egal wo, ob mitten beim Einkaufen, abends auf dem Sofa, wenn Justine daneben saß (das waren meine liebsten Momente, ganz hinterhältig alles planen und sie sitzt unwissend und nichts ahnend neben mir), in einfach allen möglichen Situationen haben wir geplant und getüftelt, wie und wann alles am besten ist.

So kamen wir auf die Zeit nach Weihnachten. Zwischendrin kam die Frage auf, ob er nicht zum 2. Weihnachtstag anreisen soll. Aber das hat leider nicht funktioniert. DAS wäre wirklich noch eine größere Überraschung gewesen. Nur hat es nicht mit dem Flug geklappt. Also haben wir Justine an Weihnachten sehr beschäftigt, dann kam Paris, das Konzert und Silvester. Perfekt, dass Ryan am 2. Januar landen konnte. Sie würde mit Sicherheit müde sein. Wie hinterlistig von mir. Insgesamt war vieles hinterlistig. Aber in netter Weise, wie sich am Ende alles raus stellt.

Irgendwann fragte mich Shondra, ob es denn möglich sei, dass ich irgendwie Ryan´s Geschenk von Justine aus dem Paket entwenden könnte, damit sie ihre Weihnachtsgeschenke zusammen auspacken können. Puh, wie mach ich das nur? Der Tag des Pakete packen für USA kam. Es sollten zwei werden. Mit komplett abwiegen und Größe bestimmen war das Paket für Ryan und seine Familie zu schwer. Mh, wie bekomm ich das hin? Oh, gute Idee. Ich pack einfach ein paar Sachen raus und in nen großen Umschlag, der natürlich viel zu voll und damit zu dick für die Post ist. Aber das ist ja egal. Am nächsten Tag, wenn ich zur Post gehen würde, fehlen Ryan´s Sachen und alles passt perfekt in das Paket. Nur leider würde alles sehr zu geklebt sein, damit auch ja nichts aufgeht. Also alles komplett einpacken, festkleben und uns freuen, dass alles so schön passt. Sogar der übergroße Umschlag. Aber wohin mit Ryan´s Geschenken? Ach, am besten dorthin, wo sie es immer sieht aber nie vermutet. In ihren Kleiderschrank. Jeden Tag würde sie drauf kucken und nicht wissen, was vor ihren Augen ist. Dort sind auch alle Geschenke für die Jungs versteckt. Ja, es macht so viel Spaß im netten Sinn hinterlistig zu sein. Und es hilft tierisch, sich nicht zu verplappern, wenn man mit ihr redet.

Ich habe wirklich ein paar Mal blöde Fragen gestellt. „Ist das Paket schon bei Ryan angekommen?“ – „Nein, es ist noch unterwegs. Seltsam, das von meinen Eltern ist schon da.“ – Anderer Gesprächspartner: „Shondra, ist Justine´s Paket gekommen?“ – „Ja, und es ist richtig schön, es hängt bereits am Baum.“ Natürlich alles am gleichen Tag. Oder „Justine, wie ist das eigentlich mit den Ferien am College? Sind die so, wie hier?“ Ich habe auch ganz allgemeine Fragen über Ryan gestellt. Und das obwohl ich einiges schon wusste.

An einem Tag erzählte mir Shondra, dass Justine´s Eltern sie besuchen würden. An diesem Tag sollte Ryan erfahren, dass er zu uns nach Deutschland kommt. Kurz später hatten wir über Eltern gesprochen. Justine sagte: „Irgendwie hatten meine Eltern und Ryan´s Eltern nie viel Kontakt, bis ich nach Deutschland kam. Heute kommen sie wieder zum Essen zu Ryan´s Familie. Warum weiß er auch nicht.“ Da konnte ich mich nur umdrehen und grinsen. Das war ein Moment, in dem ich kurz davor war, mich zu verraten. Sie wollten es ihm überlassen, es ihr zu sagen oder unseren Vorschlag zu übernehmen. Der Vorschlag war, einfach morgens (oder wann auch immer der Flieger landet) in der Küche zu sitzen, als wäre es das normalste der Welt. Und nach allem, was ich von Ryan bis dahin gehört habe, war mir klar, dass er sich dafür entscheiden würde.

So gingen die Tage ins Land. Wir haben uns abgesprochen und ich bekam Bilder von Ryan am Flughafen. Kurz vorm Check in. Shondra hatte doch Angst, dass Justine leicht sauer ist, weil Ryan nicht skypen kann. Aber wie auch? Im Flieger geht es nicht. Ich sollte Justine doch trösten. Aber das wäre aufgefallen. Ich konnte sie also nur alleine in ihrem Kummer lassen. Später in ihrem Blog konnte ich lesen, dass sie sich die halbe Nacht versucht hat, wach zu halten.

Tommy hat sich für den Morgen extra frei gehalten. Die Kinder sollten auch erst am Tag danach kommen, damit die beiden wenigstens den ersten Tag Ruhe haben. Wir haben viel am Flughafen online kucken müssen, wo er am besten parkt, wo kommt Ryan an, wie sieht er aus? So herrlich. Ich bin daheim immer unruhiger geworden. Und zittriger. Wie lange wird Justine schlafen? Bekommt sie was mit? Wo pack ich die Kamera am besten hin, um das Ganze zu filmen? Dann kam die Nachricht: „Hab ihn eingesammelt und wir kommen jetzt.“ Uh, jetzt aber. Ich bin immer nervöser geworden.

Dann kamen die beiden an. Aus Justines Zimmer kam noch kein Geräusch. OK. Erst mal Ryan begrüßen. Der war äußerlich schon sehr cool. Aber ich glaube schon, dass er aufgeregt war. Er saß am Küchentisch, wollte nichts essen, wollte nichts trinken. Nur eine Zeitung, die er „lesen“ kann, wenn Justine kommt. Wir haben uns unterhalten. Es war sehr lustig. Ich dachte nur, wenn wir weiterhin so laut sind, merkt sie vorher was. Schnell die eine Tür schließen. Ich wollte auch schon den Saugrobotor gegen ihre Schlafzimmertür knallen lassen, dass sie endlich wach wird. Aber das fand ich dann nicht so toll. Gibt ja auch Macken in der Tür. Also weiter warten. Scheiße, ich hab richtig gezittert. Immer wieder aufs Handy schauen, ob sie denn mal online ist. Immernoch keine Reaktion. Irgendwann hab ich es nicht mehr ausgehalten. Ich habe sie gefragt ob sie wach ist und ob sie mir mal in der Küche helfen könnte. Kurz drauf hörte ich ihre Tür. Gott sei Dank sind die bei uns nie leise zu öffnen, auch wenn Justine Meisterin im Leise-sein ist. Also Kamera an, Handy in ihre Richtung halten und kucken, was passiert.

Leider kann ich das Video nicht hochladen, da das nur mit Premium-Tarif geht. Aber ich kann beschreiben, was ich sah. Justine schlurfte langsam in die Küche. Tommy saß für sie sichtbar am Tisch, ich stand in perfekter Film-Postition. Allerdings war mein aufgeregtes Zittern nicht so praktisch. Sie bleibt in der Tür stehen, stutzt, sieht Ryan, starrt ihn an. „What??“ Ryan sagt: „Oh hi there!“  „What are you doing here???“ Total ungläubig, total glücklich. Und endlich fiel sie in seine Arme. Mist, das hört sich so schmalzig an, dabei wars eigentlich sehr lustig. Für uns zumindest. So habe ich sie in der ganzen Zeit nicht strahlen sehen wie in diesem Moment. Es war so toll. Natürlich habe ich direkt das Video zu Shondra geschickt, die es wahrscheinlich 1000 Mal angekuckt hat. Ich wette, sie kann es immernoch nicht ohne Tränen ansehen. Ein Traum. Alle, die davon wussten, und es waren einige, haben das Video bekommen und fanden es toll.

Irgendwie waren die beiden die erste Stunde wie an der Seite zusammen fest geklebt. Da hätte noch kein Blatt Papier dazwischen gepasst. Wir haben ihr alles erzählt, was wie passierte. Sogar, ihre Geschenke für Ryan habe ich ihr gegeben. Sie war einfach nur verwundert, erstaunt und belustigt.

Für mich war es schön, die beiden zusammen zu sehen. Zu sehen, wie sie miteinander umgehen und Spaß zusammen haben. Am Nachmittag sind die beiden kurz durch unser Dorf gelaufen. Lang geht hier auch nicht, denn es ist nicht wirklich groß. Justine machte danach den Fehler, Ryan kurz alleine zu lassen. Da fiel er ins Koma und ist erst mal nicht mehr wach geworden.

Am nächsten Tag kamen meine Jungs wieder. Ich habe mich so gefreut. Und sie haben Ryan auch gleich als „Justine´s Freund“ aufgenommen. Nur Toni schaffte es erst ganz zum Schluss von „Jastiehms Freund“ zu „Rein“.

Justine und Ryan haben Pläne gemacht für ihre gemeinsame Zeit. Ich habe ihnen etwas geholfen und Tipps gegeben. Z.B. dass es eine bessere Idee ist, nach Amsterdam, statt nach Berlin zu fahren. Oder meine Fahrdienste zum Bahnhof anzubieten. Es ist schön, dass sie diese Sachen zusammen erleben konnten. Es ist eine Erinnerung für beide, die ihnen wohl immer bleiben wird. Und mir auch.

Ich könnte jetzt genau schreiben, was die beiden in ihrer gemeinsamen Zeit erlebt haben. Das ist aber nicht das, worüber ich schreibe. Ich schreibe über meine Erlebnisse als Gastmutter von Justine. Daher ist mein Bericht hiermit vorbei.

Ach nein, etwas kommt noch. Die Abreise.

Ich habe genau gekuckt, was und wie wieder am Flughafen ist. Allerdings musste er recht früh am Flughafen sein. Ich hatte das Haus noch voll mit Besuch. Und ich wollte Justine nicht zumuten, ihn am Flughafen zu verlassen. Auf seinen Abflug hätte ich sie nicht zwei Stunden warten lassen. Und dann ne Stunde wieder heimfahren? Schreckliche Idee. Gut, es hat vielleicht seine romantischen Züge, sich klischeehaft am Flughafen zu verabschieden. Aber so haben sie sich zu Hause verabschiedet, Tommy hat Ryan zum Flughafen gebracht und Justine konnte sich in ihrem Zimmer verkriechen. Ich sagte ihr, jetzt sei der perfekte Zeitpunkt, sich die Decke über den Kopf zu ziehen und in Selbstmitleid zu baden. Richtig heulen und die Tür zu lassen, bis es ihr besser ging. Allerdings habe ich die Taschentücher vergessen. Die habe ich ihr vor die Tür gestellt und den Jungs gesagt, sie sollen bloß von der Tür weg bleiben. Was auch geklappt hatte, solange die Tür geschlossen war. Denn kaum war sie geöffnet schlüpfte Toni zu Justine rein und fragte sie, warum denn der Papa ihren Freund weg gefahren hat. (Habe ich auch erst in ihrem Blog gelesen und ein sehr schlechtes Gewissen bekommen)

OK, jetzt ist aber wieder Ende für heute. Das nächste Thema? Ich bin mir noch nicht sicher. Karneval wohl eher nicht, denn so abenteuerlich war es für Justine nicht. Allerdings steht bald eine Hochzeit in Tirol an. Vielleicht das. Oder es passiert noch etwas zwischendrin.

Paris? Ist immer eine gute Idee

Ja, dieser Beitrag steht komplett in einem Thema. Paris. OK, ich erzähle vielleicht noch vorher etwas, aber egal. Im Prinzip dreht sich alles nur um Paris.

Wir waren ja Mitte Dezember auf dem Kommiteetreffen in MG, bei dem Justine Amerika vorstellen sollte. Es war ein kurzes Vergnügen dank einem schönen aber durchaus sehr haarigem Hund. Zum Glück habe ich den Weg heim geschafft. Auf den Tischen lagen ein paar Zettel für Tagesausflüge aus. Unter anderem nach Paris. Ich hatte schon direkt gesagt: „Uh, das würde ich nicht machen. Lass es bloß! Ganz schlechte Idee, da so ewig im Bus zu sitzen. Nein, melde dich da nicht an.“ Ja, es war nicht nur Paris, auch verschiedene andere Städte. Aber die haben wir auch schon durch. Also hab ich ihr auf nette Art gesagt, dass das alles nichts für sie ist.

In der letzten „Ich-muss-Geschenke-auftreiben“-Woche vor Weihnachten kam ich auf die Idee, dass ich ihr ein schönes großes Poster von Paris schenken werde. So hat sie immer eine tolle Sicht auf Paris, Vorfreude und Erinnerung. Außerdem ist das Zimmer viel zu weiß. Immernoch. Da muss Farbe rein. Und mit dem Poster ist schon viel Farbe rein gekommen. Ja, es sieht gut aus. OK, man sieht nur das Poster und nicht den Rest. Und?

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Nach der großen Planung am 2. Weihnachtstag haben wir uns den Wecker für sehr früh gestellt. Aber gegen vier wollten wir los. War auch gut so. Mit all dem Schnee, der draußen lag. Auf dem Weg zur Autobahn bekamen wir noch mit, wie ein anderes Auto direkt vor uns die Straße verließ und in den Graben fuhr. Warum? Keine Ahnung. Es lag nicht dran, dass er ausgebrochen war oder so. Der ist einfach in den Graben gefahren. Und auf unsere Frage, ob denn alles klar wäre haben uns die beiden sehr seltsam angesehen. Mh, vielleicht waren die nicht ganz nüchtern. Könnte durchaus sein. Vielleicht war es aber auch nur ein sehr passender Anfang für Paris. Freaks, wir kommen.

Ja, wie romantisch könnte es denn sein? Paris im Schnee? Eiffelturm mit Schnee? Hach, zum Dahinschmelzen. Aber es war dann doch anders. Je weiter wir Richtung Paris kamen, umso schneefreier wurde es. Kalt? Saumäßig. Schnee? Nicht zu sehen. Aber wir haben unser Ziel kurz vor acht erreicht. Val de Fontenay. Parklücke direkt in der Nähe vom Bahnhof gefunden. Und sogar für umsonst. Wär hätte das gedacht? Wir können kurz vor Paris umsonst parken? Und alle Autos sahen unversehrt aus. Perfekt. Am Bahnhof haben wir uns erst mal mit dem Ticketautomat-System bekannt gemacht. Aber sobald man „Deutsch“ als Sprache eingab, ging es problemlos. Der Zug kam auch in wenigen Minuten und innerhalb von drei Stationen waren wir mitten in Paris. Wirklich mittendrin.

Am Bahnhof wurden wir direkt von einem sehr seltsamen Mann angesprochen. Der wollte etwas von uns. Aber ich war mir nicht sicher, ob es Geld war. Er sprang so um Tommy rum, dass ich nicht sagen konnte, ob der das überlebt. Wenn Tommy dem einmal eine über gebraten hätte, der wäre nicht mehr aufgestanden. Und der hat den wirklich gereizt. Oh ja. Aber als wir durch die Absperrung kamen, war der fort. Aber schön sah es dort in der U-Bahn-Station nicht aus. Als hätte die Decke vor kurzem gebrannt. Trotzdem haben sie dekoriert. Der Baum sah recht hell aus.

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Damit wir immer und überall mit allem fahren konnten, was in Paris an öffentlichen Verkehrsmitteln fährt, wollte ich für uns Tagestickets kaufen. Natürlich gabs die nicht am Automat. Wäre ja zu einfach gewesen. Zum Glück sitzt meistens an jeder Station ein Ticketverkäufer. Also wir zu dritt auf den los. Ich fragte ihn, ob er denn englisch könne. Mh-Mh ein bisschen. Und wie sieht es mit deutsch aus? Zum Glück hatte der auf nem Stuhl mit Lehne gesessen. Denn das hat ihn tatsächlich sehr geschockt. Wie kann man denn fragen, ob der deutsch könne? Ein Nachbarland, aus dem jedes Jahr unzählige Touristen nach Paris kommen. Mh, hätte vielleicht mit japanisch dieselbe Reaktion hervorgerufen. Naja, mit meinen allerkleinsten französischen Brocken, englisch und viel Hand haben wir unsere drei Tagestickets bekommen.

Da kommen wir aus der Station raus und stehen direkt mitten in Paris. Mitten zwischen alten Gebäuden. Mitten in Geschichte. Unglaublich. Das verschlägt einem alle Worte. Wie kann man das beschreiben, wenn man selbst hier in Gangelt lebt und plötzlich dort steht. Unglaublich. Ich wollte eigentlich direkt Richtung Notre Dame gehen. Aber irgendwie sind wir dann doch am Louvre gelandet. Zwischendrin läuft man an bombastischen Kirchen vorbei, die einfach unbeschreiblich riesig sind. Und wenn man genau aufpasst, entdeckt man auch kleine Verschönerungen an Ampeln.

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Irgendwann standen wir vor einem unglaublichen Gebäude. Es schien nicht aufhören zu wollen, so groß. Es war der Louvre. In dem Innenhof zu stehen und sich vorzustellen, welche großartigen Kunstwerke hinter den Fenstern sind. Wahnsinn. Ich fühlte mich einfach nur klein. Aber für einen Besuch hat die Zeit leider nicht gereicht. Für den Louvre hätte ich gerne so zwei Tage. Hallo? Das ist Kunst, da will man doch nicht rein und raus. Einmal Monalisa sehen und gehen. Da gibt es noch so viel mehr. So schön ist die Monalisa jetzt auch nicht. Ehrlich, ich stehe dazu. Und die Pyramide am Eingang vom Louvre? Wozu eine Pyramide? Hätte man nicht was schönes nehmen können? Eine Pyramide aus Glas? Sind wir in Ägypten? Dieses riesige Gebäude hätte doch sicher irgendwo die Möglichkeit einer Tür geboten. Warum also dieses Glasding? Weils optisch so gut passt? Zu einem uralten französischen Gebäude? Naja, man muss es nicht verstehen. Aber noch hässlicher ist der Museums-Shop. Ein großer roter Metallkasten. Sehr unauffällig, muss ich sagen. Ach ja, ich schreibe jetzt nur meine Meinung, sicher haben andere eine eigene Meinung. Sollen sie auch haben. Nur kann ich nicht sagen: „Oh, kuck mal, die Pyramide. Und direkt daneben dieser große rote Klotz. Toll!“ Bin ich nicht. Muss jeder, der das liest halt mit leben.

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Man sieht den roten Kasten, wahnsinnig toll und wunderschön.20141228_092849

Vom Louvre Platz haben wir auch zum ersten Mal den Eiffelturm gesehen:

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So, nächstes Ziel: Notre Dame über Pont Neuf zu erreichen. Hab ich irgendwann mal erwähnt, wie sehr ich Brücken hasse? In Paris gibt´s abartig viele. Aber irgendwie muss es ja zu schaffen sein, so wenig wie möglich von denen zu benutzen. Mit meinem ausgeklugelten Plan ging das auch. Selbst wenn Tommy ständig über irgendwelche Brücken wollte, nur weil die gerade da waren. Nein, Pont Neuf. Das war für mich ein wichtiger Punkt auf der Tagestour. Hat auch geklappt. Ich bin in meinem Tempo über die Brücke gerannt und konnte vorher und nachher die Aussicht genießen.

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Oh, es war immernoch sau kalt. Ich war mir da auch sicher, dass es sich im Laufe des Tages nicht sonderlich bessern würde. So ab und zu hatte ich schon das Gefühl, mir sterben die Beine ab. Ne Skihose wäre vielleicht ne gute Lösung gewesen. Wenigstens sind die Füße warm geblieben. Niemals ohne Wanderschuhe irgendwohin gehen. Mein Motto für Städtereisen hat sich wieder bestätigt. Wir liefen also durch die Straßen einer kleinen Insel mitten in der Seine. So viele Kirchen überall. Aber Notre Dame noch nicht zu sehen. Hab schon angefangen zu fluchen: „Mensch, die scheiß Insel hier ist doch gar nicht so groß. Irgendwo wird diese KIRCHE doch stehen!“ Und plötzlich war sie da. Stand da einfach mal rum. Mit einem schönen großen Tannenbaum vor der Tür. Überall war ja noch weihnachtlich geschmückt. (Hätte allerdings den Baum mit den Weihnachtsschweinen irgendwo an einem Bistro fotografieren sollen. Der war klasse. Hat jetzt nichts mit Notre Dame zu tun, wollte ich nur noch mal erwähnen.) Plötzlich liefen drei Soldaten mit Maschinengewehren an uns vorbei. Die haben da patroulliert. Wir waren doch schon leicht verstört. Ist Terrorgefahr oder sowas? Machen die das immer? Für alle anderen Leute sah es so normal aus. OK, dann wird das wohl normal sein, dass die bewaffneten Soldaten hier so rum laufen. Ich habe mich allerdings nicht getraut von denen Fotos zu machen. Wir sind dann rein. Beeindruckend. Und natürlich liefen wir direkt in eine gregorianische Messe. Inklusive viel Weihrauch und Gesänge. Sehr cool. Aber leider auch sehr voll. Habe ein paar Eindrücke mit dem Handy fest gehalten.

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Ja, ich vergaß ganz zu erwähnen, dass wir schon seit unserer Ankunft nach ner Bäckerei oder ähnlichem suchten. Nichts zu sehen. Also wurde ein Klischee, da gibt´s ja sicher überall ne Bäckerei, in der man Baguette kaufen kann, nicht erfüllt. Sehr traurig. Auch die Freaks waren noch nicht aufgetaucht. Wars denen vielleicht zu kalt? Gut möglich. Denn es war deutlich unter 0 Grad. Wie viel, das weiß ich jetzt auch nicht mehr. Aber eindeutig zu kalt für mich. Der Hunger trieb uns dann in ein Subway direkt neben Notre Dame. Klar, warum nicht? Da wissen wir wenigstens, was wir bekommen. Außerdem gabs ein sauberes Klo. Das darf man nicht unterschätzen. Die nette Bedienung/Verkäuferin/wie nennt man die Arbeiter bei Subway eigentlich??? hat mich sehr mitleidig angesehen, als ich mein trockenes Brot mit ein paar Fetzen Salat bestellt habe. Aber ich habe noch viel Zeit vor mir gehabt, die wollte ich nicht mit irgendwelchen Symptomen verbringen. Da ess ich lieber trockenes Brot mit Salatfetzen. Hauptsache gesund bleiben. Zumindest bis wir wieder daheim waren.

Kaum zu glauben, wir kommen aus dem Subway raus und bumm, blauer Himmel und Sonnenschein. Das Wahnsinnswetter. Justine hat noch schnell in einem Touristenladen ein Geschenk für ihren Bruder besorgt und dann sind wir los Richtung Katakomben. Metro fahren war gar nicht mal schlecht. Zumindest die Stationen zu finden. Aber unten drin? Ich weiß nicht so genau, was ich davon halten soll. Siffig wars schon. Es gab auch überall ne Pissrinne. OK, vielleicht sollte es für Tropfwasser/Kondenswasser sein. Aber es war voll URIN. Überall, an jeder Station Pissrinnen voll mit URIN. Ich habe auch nie so viele Treppen laufen müssen, um mit ner U-Bahn zu fahren, wie in Paris. Ich glaub, Behinderte fahren überirdig. Es kam so oft vor, dass wir erst ewig weit runter stiegen, dann weit laufen und wieder Treppen hoch, um direkt wieder runter zu steigen. Aber andererseits gab es richtig schöne Geländer zu sehen. Und am interessantesten fanden wir die Metros mit den Gummirädern. Wirklich, die fuhren auf Reifen. Damit man es glaubt, habe ich es fotografiert. Gummiräder an der Bahn. Ich glaub, das gibt´s auch nur in Paris.

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Wir haben also die Station für die Katakomben erreicht. Stehen davor und ich sagte schon: „Hey, ich weiß, wo wir hin müssen! Kuckt, da vorne ist eine lange Schlange!“ Wir gingen hin und suchten das Ende. Und suchten und suchten. Wow, wie lange kann die denn sein? Ich kanns sagen. Die ging einmal um den Block. Das Ende war zwei Meter vorm Eingang. Ich hätte das fotografieren sollen. Aber meine Hände waren ehrlich sehr eingefroren. Ich versuche mal schnell etwas anderes mit Maps.

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Ich weiß, es ist etwas krakelig gemalt. Aber so kann man es etwas erkennen.

Wir haben uns also angestellt. Es wird ja nicht soooo lange dauern. Klar. Einfach mal schauen, wie schnell wir voran kommen. Natürlich ging die erste Viertel Stunde etwas gut. Ich habe sogar in der Nähe eine Bäckerei gefunden, in der ich zwei Flutes kaufen konnte. Aber wir standen und standen und standen. Irgendwann bin ich mal zum Eingang. Es hatte sich eine deutsche Familie beschwert, es wäre nur EINE Kasse geöffnet. Dabei warten sooooo viele Leute auf den Einlass. „Wir haben noch knapp zwei Stunden vor uns!“ Oh, und wir standen schon ne Stunde. Mann, Mann. Am Eingang habe ich gesehen, dass immer nur etwa 200 Personen in die Katakomben rein dürfen, die Tour dauert etwa 45 Minuten. OK, wenn wir die drei Stunden, die wir noch vor uns hätten, hier stehen bleiben, dann sehen wir den Rest nicht mehr im Hellen. Nach kurzer Zeit haben wir dann beschlossen, unseren Platz zu Räumen und uns auf den Weg zum Eiffelturm zu machen. Da bis 19 Uhr Einlass ist, wollten wir es später noch einmal probieren. Schlimmer als die vergeudete Stunde kann es ja nicht mehr sein. Es war ein tolles Gefühl, endlich in der nächsten Metro Richtung Eiffelturm zu sitzen. Endlich aufwärmen. Wenn auch nur für einen kurzen Moment.

Dann kam der Eiffelturm. Wir hatten schon einen kleinen Fußweg. Dort haben wir dann plötzlich den Turm über den Häusern gesehen. Es sah aus, wie Photoshop. Die Häuser und hintendran mal den Eiffelturm gesetzt. Richtig unwirklich. Dann kommen wir näher und waren auf einem Weihnachtsmarkt. Jetzt mal im Ernst. Wer kann schon sagen, er war am Eiffelturm auf nem Weihnachtsmarkt? WIR. Und ich schätze mindestens ne Millionen anderer Leute. Aber egal. Scheiß auf den verpassten Markt in Monschau, wir waren auf dem in Paris am Eiffelturm. Bääm.

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Am Platz vorm und unterm Eiffelturm waren nur Menschen. Man konnte kaum etwas anderes als Menschen sehen. OK, die Soldaten mit ihren Maschinengewehren waren auch da. Aber Menschen ohne Ende. Ich fragte Justine, ob und wie sie hoch möchte und wie hoch. Als sie die Schlangen sah (das Ende konnte man nicht mal erahnen. Nicht mal das Ende der Treppensteiger), wollte sie nicht mehr hoch. Es reichte ihr, das zu sehen. Ich wäre eh nicht hoch gegangen. Also haben wir uns aufs Fundament eines Fußes gesetzt und konnten so sagen, dass wir auch auf dem Turm waren. Ja, das zählt auch. Unterm Turm habe ich mal hoch gesehen. Ohne Scheiß, wird man sogar noch angespuckt. Das ist einfach sehr widerlich. Muss das sein? Auf den Turm hochgehen, um da runter zu spucken? Es hat mich doch enttäuscht. Schön ist das Ding auch nicht wirklich. Aber sehr beeindruckend. Die Anziehungskraft, die Menschen von überall auf der Welt bewegt, sich dieses riesige Stahlding anzusehen. Unglaublich. Ich meine, wir waren auch dort und waren beeindruckt. Wir gingen also noch weiter zurück und zurück und zurück, bis wir die typischen Touristenbilder mit ganzem Eiffelturm schießen konnten. Unglaublich, wir waren sehr touristisch an diesem Sonntag in Paris. (Ich weiß, das Lied geht mit Avignon, aber das ist zu weit weg und es passte einfach gerade.)

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OK, nächster Punkt auf der Liste: Ich wollte einmal über die Champs-Elysee laufen und singen „Oh, Champs-Elysee.“ Also Metro-Station suchen und ab zur Champs-Elysee. Auf dem Weg haben wir das genialste Restaurant überhaupt gesehen. Da standen auf den Tischen Toaster. Mindestens einer pro Tisch. Ich glaub, wenn das geöffnet gewesen wäre, ich wäre rein und hätte da was gegessen. Allein, weil da Toaster auf dem Tisch stehen. Wie geil ist das denn bitte?

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Es war ein tolles Gefühl an der Station die Treppenstufen rauf zu gehen. Es hat richtig gekribbelt vor Aufregung. Toll, begeisternd und überhaupt. Ich liebte es. Was die Leute gedacht haben? Egal. Ich hatte meinen Spaß. Habe auch ein MC Donalds gesehen mit MC Cafe dabei. Herrlich. Also noch schnell nen Kaffee bekommen und die anderen beiden heißen Kakao. Den hatten wir auch nötig. Es war so arschkalt, immernoch. Besonders im Schatten. Habe noch schnell mitten auf der Straße ein paar Bilder hoch und runter gemacht und dann konnte ich mich an einem Schaufenster nicht zurück halten. Jetzt mal im Ernst. Es gibt auf dieser Straße so viele Geschäfte mit überteuerten Klamotten, Füllern, Taschen und Schuhen. Warum müssen die Sachen dann so hässlich sein? Dafür war die Auslage im Mc Cafe ein Traum. So viel verschiedene Sachen. Wahnsinn. Kein Vergleich zu den paar Sachen bei uns. Hätte ich doch wenigstens ein Teil davon essen können…

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Zum Glück war es nicht weit bis zum Triumpfbogen. Da sind wir hin. Einmal auf dem Kreisverkehr stehen und den irren Verkehr beobachten. Ein Traum, ehrlich. Aber der Triumpfbogen für sich war schon sehr toll. Die Figuren. Wahnsinn. Und wieder die Soldaten. Echt, die haben mir schon Angst gemacht mit ihrer Präsenz. Wir standen also ein paar Ampelphasen dort und haben uns alles angesehen. So der Wahnsinn. Die Autofahrer haben einfach drauf gehalten. Egal, ob da jemand von der Seite kam. Wer Rücksicht nimmt, verliert. Es gab sogar Irre, die zu Fuß zum Fotos machen Richtung Champs-Elysee gingen. Durch dieses Chaos. Vielleicht war es ja eine Mutprobe. Alles möglich bei den Menschen. Aber weil alle auf der einen Seite die Bilder machen wollten, sind wir zur anderen gegangen. Von dort sieht der Triumpfbogen genauso toll aus. Nur ist viel weniger Menschenverkehr. Man muss einfach auf Ideen kommen. Leider kann ich den Film nicht einfügen, den ich dort gedreht habe. Wir hatten Spaß.

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So, weiter ging es zur Sacre Coeur. Weniger wegen der Kirche ansich als wegen dem tollen Ausblick. Wir kamen gerade im Sonnenuntergang an. Bei diesem Wetter und dann Sonnenuntergang. Die Stadt leuchtete leicht rötlich, die Kirche wurde noch einmal angestrahlt von den Sonnenstrahlen. Es sah so schön aus. Innendrin sah es jetzt nicht so prickelnd aus. Hab ich an dem Tag schon schöneres gesehen. Und natürlich kamen wir in eine Messe rein. Da war die in Notre Dame auch toller. Naja, ich sollte nicht so anspruchsvoll sein. Wer kann schon behaupten, eine Messe in Sacre Coeur erlebt zu haben? WIR. Und Millionen anderer Leute auch. Aber die Treppen vor der Kirche waren voll. So viele Menschen waren nicht mal am Eiffelturm. Ich glaube, alle hatten die Idee, den Sonnenuntergang dort zu erleben. Aber wir haben uns einen Platz gesucht und ganz viel Häuser und Kirchen und alles gesehen. Alle unsere Stationen, die wir bereits besucht haben konnten wir sehen. Sehr schön war es. Leider sieht man auf den Bildern nichts alles so schön, wie es war.

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Mit ner Ente eine Sightseeing-Tour durch Paris machen. Geil

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Dann ging es also wieder zurück zu den Katakomben. Zwischen den Hütchenspielern, die wirklich überall standen und aus 50 € wirklich 400 € machen wollten. Wers glaubt. Mich nervte es nur, dass die überall standen und den Weg versperrten.

Wieder an unserer Station angekommen haben wir wirklich einiges an Platz gut gemacht. Ich schätzte, dass wir etwa eine Stunde Wartezeit noch vor uns hätten. Und es war 18 Uhr. Die Mitarbeiter der Katakomben sprachen die Leute an, die direkt nach uns kamen: „Wir können Ihnen nicht versprechen, dass Sie noch rein kommen!“ Mh, aber die hätten das ja zu uns auch gesagt, wenn wir nicht mehr rein kämen, oder? Also mussten wir bangen. Die Zeit ging schneller vorrüber als die Schlange kürzer wurde. Für jeden Meter weiter nach vorn waren wir glücklich. Dann waren wir dran. Yeah, wir waren drin. Als ich den Eintritt bezahlte gabs nen lauten Knall hinter uns. Es kamen noch fünf Personen hinter uns rein. Die Tür war zu. Alle anderen, mit Sicherheit um die 50 Leute mussten draußen bleiben. Wir aber hatten es geschafft. Um 19:01 Uhr habe ich die Tickets gekauft. Was für ein Timing. Dann ging es hinunter. Ich kann mich nicht mehr an die Anzahl der Stufen erinnern. Tommy schon. Der hat sie alle gezählt. Aber es war über 60 Meter unterhalb der Oberfläche. Und alles eine Wendeltreppe hinunter. Ich hab schon nen Drehwurm gehabt. Irgendwie besichtigen Justine und ich immer etwas, bei dem auch Wendeltreppen dabei sind. Aber diese hier, ich dachte schon, es gibt kein Ende. Wir endeten in einem kleinen Vorraum, in dem verschiedenes über die Katakomben auf Tafeln beschrieben war. Von dem Vorraum ging es rein. In sehr enge Gänge, die auch nicht unbedingt hoch waren. Ich konnte gut drin stehen. Aber ein beklemmendes Gefühl hatte ich trotzdem. Was, wenn ich mir was breche, weil ich umknicke? Was wenn ich plötzlich Panik bekomme? Es war schon gruselig. Dabei kam das Gruselige erst später. Wir hatten etwa 2 km unter Paris zu laufen. Wir lernten, dass die Katakomben als Gefängnis genutzt wurden und die Gefangenen Hafenstädte in den Stein „schnitzten“. Auch dass der Stein vieler Kirchen, unter anderem für Notre Dame, in den Katakomben abgebaut wurde. Der sogenannte „Pariser Stein“. Als dann die Friedhöfe wegen Überfüllung geleert werden mussten, wurden die ca. 6.000.000 (ja, Millionen) Skelette ausgebuddelt und in den Katakomben eingelagert. Damit man wusste, von welchem Friedhof die Skelette kommen, wurde eine Tafel für jeden Friedhof angebracht. Es war wirklich überwältigend diese Masse an Knochen zu sehen. Ich fühlte mich direkt in Herr der Ringe versetzt. Es fehlte nur der Spruch überm Eingang: „Der Weg ist versperrt. Er wurde angelegt von jenen, die tot sind, und die Toten halten ihn„. Aber viel anders hätte ich mich nicht in diesen Katakomben fühlen können. Was mich aber entsetzte war die Zerstörung durch Touristen. Teilweise haben die ihre Namen auf die Skelett-Schädel gemalt. Oder es fehlte mal einer. Wie furchtbar ist das denn? Aus diesen Gräbern Schädel zu stehlen? Oder zu beschmieren? Unglaublich. Jetzt mal abgesehen davon, dass sich die Menschen damals die Mühe gemacht haben, alles so aufzubauen, damit die Knochen nicht in Haufen dort liegen. Wer nimmt sich denn Knochen mit? Scheinbar viele, denn man muss am Ende durch die Taschenkontrolle.

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Es war aber gut, die Katakomben zum Schluss gemacht zu haben. Ich denke, wenn man im Dunkeln die letzte Wendeltreppe des Tages hoch kam und dann einfach so mitten in Paris auf der Straße steht, ist es besser als dann im Hellen im Sonnenschein zu sein. So wirkt das alles viel mehr. Noch ein letzter Weg zur Metro. Die Bahn zu unserem Auto nehmen und dann Au revoir Paris. Es war ein sehr ereignisreicher Tag. Wir haben viel gesehen, viel gelacht und noch mehr gefroren. Ob wir es wieder tun würden? Ich auf jeden Fall. Vielleicht nicht mehr wenn es so kalt ist. Ich auf jeden Fall. Aber dann würde ich mir eventuell weniger touristische Sachen ansehen. Nur war es nicht mein Weihnachtsgeschenk. Doch irgendwann wird Paris mich wieder sehen. Entweder im Frühling oder im Herbst. Mal sehen.

Advent, Advent…

Das wird jetzt wahrscheinlich sehr viel werden. Ein großes Thema. Aber in mehrere Teilen wollte ich das nicht schreiben. Also lege ich jetzt mal munter los.

Den ersten Advent haben wir sehr festlich begangen. Wir waren nämlich zum verspäteten Thanksgiving-Essen eingeladen. Es wurden viele, viele leckere Sachen aufgetischt und ich kann gar nicht glauben, dass tatsächlich alles auf einen Tisch passte. Die Masse an Essen war unglaublich. Es war ein richtig gemütlicher Abend, den wir alle sehr genossen haben.

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Ich habe Justine auch über unsere Bräuche in der Adventszeit erzählt. Was ist ein Adventskalender? Wozu der Adventskranz? Was machen die Sternsinger und warum malen die die Hauswände oder Haustüren an? Man bekommt eine ganz andere Sicht auf seine Bräuche, wenn man sie erklärt. Warum und wieso ist etwas? Bei vielem wird mir erst klar, dass wir einfach nur machen und nicht mehr nachdenken. Woher kommen unsere Bräuche? Und ja, wir haben drei Tage lang Weihnachten. Die ersten Geschenke gibt´s schon am Heiligen Abend. Das muss man erst mal nachmachen. Dazu haben wir noch Nikolaus. Der kommt ja auch nicht überall auf der Welt. Deutschland hats sich schon gut rausgesucht. Alle, die was bringen können, kommen auch.

Dann kam die Frage auf „Wollen wir einen Weihnachtsmarkt besuchen? Und wenn ja, welchen?“ Ich habe von einem Weihnachtsmarkt in einer Höhle gehört und dachte mir „Mh, lass uns doch nach Valkenburg fahren und uns das Schauspiel mal ansehen.“ Haben wir also getan. Es war wirklich ein Schauspiel. Die Stadt war VOLL. Am liebsten würde ich es noch größer und richtig fett schreiben. Es war wirklich VOLL. Nicht nur, dass von überall die Massen zu den Märkten strömten (es gibt tatsächlich zwei Höhlen/Grotten mit je einem Weihnachtsmarkt. Es ist scheinbar noch so, dass JEDER Sonntag verkaufsoffen ist. Also sind wir richtig schön mehrfach durch die Stadt gekurvt, denn wir wollten nicht zwei Kilometer durch kalten Regen in die Stadt und später wieder zwei Stunden zurück laufen. Ach ja, der Weg zurück ging nur bergauf. Irgendwann haben wir einen tollen Parkplatz mitten drin gefunden. Dann haben wir viel zu wenig in den Parkautomat geworfen. Wir hatten einfach kein Kleingeld dabei. Egal, wenn ein Ticket kommt, dann wirds halt bezahlt. Aber wenigstens nen Parkplatz. Lage peilen und kucken, wie wir durch das Gewimmel mit zwei Kindern sicher in eine der Höhlen kommen. Es hat geklappt. Und es gibt in Valkenburg wirklich sehr viele Restaurants, die irgendwie alle als Spezialität Erbsensuppe haben. Und scheinbar ist das gut, denn die Leute haben das Angebot angenommen. Naja, ne kleine Schale Erbsensuppe für 6,50 € ist ja auch ein Schnäppchen. Mh, wenns so weiter geht… Aber wir habens geschafft. Standen vor der Fluweelengrotte. Grandios kitschig. Naja, was wird uns wohl drinnen erwarten? NO RISK, NO FUN. Also rein. Die ersten paar Stände waren wirklich weihnachtlich. Dann gings los mit verschiedenen seltsamen Dingen. Laserbehandlung und ein Stand, an dem einer Frau die Beinbehaarung entfernt wurde, das waren die Highlights. Im Prinzip gabs da drin wenig weihnachtliches. Viel Kitsch, viel Müll. Oh, der Weihnachtsmann kam uns noch entgegen. Mitten drin gabs ein Cafe, bei dem man sich zwischen den Tischen durch quetschen musste, um weiter zu kommen. Sinnvoll und gemütlich, mitten im Durchgang zu sitzen. Gekauft haben wir jetzt in der Höhle nichts. Es gab nicht wirklich etwas, das uns angesprochen hat. Interessant, sich das alles mal anzusehen. Ein zweites Mal hingehen? Eher nicht. Obwohl wir uns noch lange an die furchtbar hässlichen mit Hunden bestickten Taschen erinnern werden. Ab und zu waren mal ein paar Figuren platziert. Obwohl ich denke, dass eine fast nackte Elfenfrau nicht dort rein sondern in ein Heftchen für Interessierte gehört. Auf jeden Fall haben wir irgendwann den Weg zurück gefunden. Durch alle möglichen Bars und Restaurants. War schön, als wir endlich wieder am Auto waren. Und dann kam die Heimfahrt durch viel Regen im Dunkeln. Puh, was bin ich dieses Jahr schon weit gefahren im Dunkeln.

Dann kam der Nikolaus. Die Jungs waren doch schon etwas aufgeregt. Hingen Stunden am Fenster, um die ersten zu sein, die ihn sehen. Aber als er dann mit schwarzem Piet und Bäcker kam, waren sie ganz schnell verschwunden. Sehr toll, wie ein Mann mit Bart und Bischofstracht die Kinder einschüchtern kann. Der schwarze Piet mit Rute hat sein übriges getan. Justine hat sich alles genau angesehen, aber was sie dazu sagt, keine Ahnung. Amüsiert hat es sie sicher. Zu sehen, dass meine Jungs plötzlich ganz schüchtern und klein sind, das gibt´s auch nicht alle Tage. Sollte öfter vorbei kommen, der Nikolaus.

Leider konnten wir den Weihnachtsmarkt in Monschau nicht besuchen, da am Wochenende, das wir uns aussuchten, Sturm und viel Regen gemeldet war. Es hat uns auch geärgert, da die Bilder, die wir im Internet gefunden haben, wie im Traum aussahen. Aber ich denke, die Fahrt lohnt sich nicht, wenn man so schnell wieder heim muss. Da fahren wir lieber mal so nach Monschau, ohne Weihnachtsmarkt.  Aachen hat Justine mit ihren Freunden besucht. Finde ich gut, denn ich mag das Gedränge in Aachen nicht so besonders. Aber dem herausragenden Weihnachtsmarkt in Heinsberg haben wir noch einen kleinen Besuch abgestattet. Kleiner Besuch? Ja, denn wenn man wirklich sehr, sehr langsam geht, schafft man es vielleicht, in fünf Minuten drüber. Ja, vielleicht. Zum Glück ist der mit riesigen Plakaten komplett in Heinsberg beworben, sonst übersieht man ihn vielleicht.

So, jetzt mal zu Weihnachten. Heilig Abend ist tagsüber ruhig verlaufen. Tommy musste noch arbeiten. Ja, es gibt tatsächlich Leute, die am heiligen Morgen schwimmen und nicht einkaufen gehen. Wir haben es uns auch mit dem Essen einfach gemacht. Es gab Raclette. Nachdem wir satt waren, die einen früher, die anderen später, durften die Jungs in die Badewanne. Nur haben sie dadurch das Christkind schon wieder verpasst. Es hat sich einfach die Ablenkung genommen und die Geschenke unter den Baum gelegt. Sowas hinterhältiges. Dabei wollten die beiden es unbedingt sehen. OK, Nick ist aufgeklärt, spielt aber mit. Die Geschenkpapier-Lawine war wieder unglaublich. Es haben sich auch alle über ihre Geschenke gefreut. Oder mit Nicks Worten: „Ich hab mir das nicht gewünscht, aber das Christkind hats gebracht. Ich behalte es trotzdem!“ Ohne Worte.

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Mein Geschenk von Justine. Sie weiß genau, was ich mag. Holz

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Die Frage „Was sollen wir Justine schenken?“ kam schon früh auf. Was kann man denn schenken, das nicht so schwer ist? Denn alles materielle muss ja irgendwann entweder im Koffer oder in einem Paket nach Amerika. Also haben wir uns gedacht: „Paris ist immer eine gute Idee!“ Justine bekam ein schönes Poster „Eiffelturm bei Nacht“ für ihr Zimmer, da dieser Raum dringend mehr Dekoration und Farbe braucht. Sie hat sich sehr drüber gefreut. Aber noch mehr, als ich ihr sagte, es sei nur ein Symbol, da wir wissen, dass schwere Geschenke eine schlechte Idee sind und das Poster für einen Tag Paris steht. Da begannen ihre Augen zu leuchten und die Worte: „Es ist wie wenn die Eltern in Amerika ihren Kindern ein Bild geben und sagen – Morgen fahren wir nach Disneyland!“ Naja, so hatte Justine auch was zu tun. Die Frage: „Was willst du sehen?“ Hat sie dann leicht überfordert. Aber wir haben uns zusammen gesessen und einen kleinen Plan gemacht. Eigentlich wollten wir ja am 29. fahren. Nur hatte Justines Lieblings-Attraktion in Paris (die Katakomben) dann geschlossen. OK, fahren wir halt einen Tag früher. Sonntag ist auch gut.

Am 2. Weihnachtstag sind wir ins Saarland gefahren. Die Kinder mussten ja irgendwie in ihren Weihnachtsurlaub kommen. Und bei meinen Eltern war schon einiges los. Mein Bruder mit Freundin war schon da und der gedeckte Tisch wartete mit Kuchen auf uns. Es gab auch wieder Geschenke. Ein Kicker für die Jungs, an dem ständig jemand gespielt hat. Wenn nicht da, dann saß jemand am Rummykub-Spiel oder einem anderen Spiel, das die Jungs bekommen haben. Dann wurde noch großes Essen aufgetischt zum Abend. Ob es jetzt traditionell war, keine Ahnung, aber es war sehr viel und lecker. Als die Kinder im Bett waren, wurden der Plattenspieler und ganz viele LPs und Singles ausgepackt. Was genau Justine davon hielt, kann ich nicht sagen. Wahrscheinlich hat sie sich über uns gewundert und ist innerlich halb gestorben vor lachen. Aber wenn wir alle da sitzen und alte Lieder mitsingen. Herrlich. So ein Weihnachtsfest hat sie sicherlich auch noch nicht erlebt. Ich allerdings auch nicht. Ich fand es schön und freue mich, dass sich alle über ihre Geschenke gefreut haben. Auch wenn ich das für Willi vergessen habe. Das kommt aber noch.

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Sport und einiges mehr

Ja, was ist alles geschehen, seitdem ich zuletzt geschrieben habe?

Wir haben versucht, für Justine eine Sportart zu finden. Das ist hier schwierig. In Amerika spielt sie Feld-Hockey. Der nächste Verein? In Mönchengladbach. Nein, das liegt nicht weit weg. Grad um die Ecke in etwa 40 km Entfernung. Also hat sich das erledigt. Völkerball spielt sie gerne in der Schule. Nächster Verein? Keine Angabe. Ja, Völkerball wird durchaus in Vereinen gespielt. Nur leider nicht überall. Erst recht nicht bei uns. Fußball? Haben wir sogar hier im Dorf. Nö, kein Interesse. „Heidi, kann ich Handball versuchen?“ – Auch nicht. Kein Verein in der Nähe. Ja, wir sind sowas von abgelegen von allem. Außer Volleyball. Und hey, das gefällt ihr. Super, wir versuchen einen Verein zu finden. Die meisten haben tatsächlich Training an den Tagen, an denen Justine nach Heinsberg zum Deutschkurs muss. Aber sie würde schon gerne vor Januar beginnen. Also heißt es weiter suchen. Irgendwann wurde ich fündig. Dienstags in Heinsberg. Hobbymannschaft. OK, kann ja nicht so schlimm sein. War es doch. Scheinbar war das ne Hobbymannschaft mit ausgemusterten Fast-Profis. Ui. Die hatten aber nen Tipp: In Gangelt gibt´s auch einen Volleyballverein. War ich wirklich so blind? Ja, war ich. Es gibt ne Gruppe voll mit Mädels in ihrem Alter. Die trainieren dienstags in Gangelt. Passender könnte es eigentlich nur noch sein, wenn sie in Breberen trainieren würden. Aber so viel Glück haben wir dann doch nicht. Nach dem ersten rein schnuppern kann ich sagen, dass es ihr Spaß macht und sie wieder hin will. Puh. Geschafft. Sportart und Verein gefunden.

Wir haben auch den St. Martin hinter uns gebracht. Komplett mit Kirche, Umzug und Tüte vom St. Martin. Naja, ganz komplett nicht. Denn eine Laterne basteln und damit durch die Gegend laufen, haben wir uns gespart. Reicht, wenn die Jungs das machen. Ich denke, es hat ihr gefallen. Sie hat zumindest verstanden, wer St. Martin war und wofür er steht. Ich persönlich liebe St. Martin. Ist der tollste Heilige für mich. Und das hat nichts mit dem Glühwein nach dem Umzug zu tun. Den darf ich ja eh nicht mehr trinken. Ich mag einfach alles.

Was tun wir sonst so? Ach ja, wir versuchen jetzt, regelmäßig zum Schwimmbad zu fahren. Die Jungs zum Schwimmkurs und Justine einfach nur so. Ja, ich warte einfach gemütlich vorne dran bis alle wieder raus kommen. Das bedeutet für mich mindestens eine Stunde Zeit zum Lesen. Herrlich.

Justine ist viel unterwegs. Trifft sich mit Freunden, Sport, Deutschkurs… Ich finde es gut. Sie hat sich in der kurzen Zeit einen tollen Freundeskreis aufgebaut. Ich hoffe für sie, dass diese Freundschaften lange halten werden. Es ist toll, Freunde auf der ganzen Welt zu haben. Aber es ist wirklich so, kaum ist sie irgendwo, lernt sie jemand neuen kennen und ist direkt in einem neuen Kreis drin. Teilweise ist es am Wochenende schon so, dass sie sich ne Auszeit nimmt. Einen Tag lang keine Termine. Einfach nur Ruhe und Nichtstun. Manchmal wünsche ich mir das auch. Aber nach zwei Stunden vermisse ich dann schon wieder den Trubel um mich rum.

Heute kam eine Email von AFS. Wir sollen ein paar Fragen beantworten, da sie uns in einer Presse-Mitteilung vorstellen wollen. Mit einem Familienfoto. Auf meine Frage, wer denn diese Pressemitteilung bekommt, kam: „Eine Pressemitteilung verschicken wir deutschlandweit an Tageszeitungen, Wochen- und Anzeigenblätter. Die, die es veröffentlichen, sind in der Regel regional und daher kleiner. Teilweise wird es dann auch in der Onlineausgabe der jeweiligen Medien veröffentlicht.“ Oh Mann. Was kommt da auf uns zu? Und was ist an uns so besonders, dass man uns will? Ich finde es lustig. Mal sehen, was das alles für Kreise zieht. Scheinbar geht alles von unseren beiden Blogs aus. Es ist wohl so Besonders, dass wir beide schreiben. Auch wenn es immer länger dauert, bis wieder was neues kommt. Aber ich denke, die Adventszeit wird wieder etwas aufregender. Mal etwas raus aus dem Alltag. Justine kann auch nur noch vom Alltag berichten. Das Leben in Deutschland ist nicht mehr so aufregend neu und sonderbar wie zu Anfang. Auch die Sprache ist nicht mehr so ungewohnt. Justine spricht immer besser deutsch. Gut, wenns wirklich schnell gehen muss, dann englisch. Aber sonst klappts recht gut mit der Verständigung. Wie es in der Schule und bei ihren Freunden aussieht, das kann ich nicht sagen. Welche Sprache sprechen sie dort? Keine Ahnung. Ach ja, ich habe ihr Harry Potter in deutsch gegeben. Ich denke, das ist gar nicht mal so schwierig zu verstehen. Mal sehen, ob sie alle Teile hier schafft.

ein paar Gedanken

Ja, es hat wieder etwas gedauert, bis ich ein neues Thema gefunden habe, über das ich berichten kann. Warum? Unser Leben hat sich so gut eingependelt, dass es eigentlich kaum Probleme oder ähnliches gibt. Zumindest nicht bei uns fünf (ja, vier Wochen lang waren wir nur zu dritt, aber das zählt jetzt nicht). Wenn ich jetzt nachdenke, dass andere Familien mehr Probleme haben, könnte ich Justine die Füße küssen, weil sie so ein toller Mensch ist.

Scheinbar gibt es große Unterschiede mit „Wie komme ich von A nach B“ zwischen USA und Deutschland. Bei uns ist es normal, dass man von der Bushaltestelle schon mal ne Strecke läuft, wenn keine direkt am Haus ist. In den USA undenkbar. Justine lebt gerade auf, indem sie ihre Freiheit in Deutschland erlebt. Tatsächlich mag sie es, zu Fuß zu gehen. OK, vielleicht nicht monströs lange Strecken, aber ein paar Meter sind ja keine große Sache. Allerdings muss man dann in Amerika die Eltern beruhigen, dass wir hier am Ende von Deutschland keine große Gewaltverbrechensrate haben. Auch ist es sehr ungefährlich am Nachmittag durch Geilenkirchen zu gehen. Scheinbar ist es das Gegenteil in New Jersey. Ich dachte ja immer, das sei ne eher ruhige Gegend. Aber es kommt halt nicht so viel über den großen Teich an Wahrheiten, wie allgemeine Klischees. Umgekehrt ist es doch genauso. Was wissen denn die Menschen in Amerika groß über Deutschland? Alle rennen in Lederhose und Dirndl rum und essen Sauerkraut mit Würstchen. Wenn man in Touristenzentren kommt, werden diese Klischees auch komplett erfüllt. Überall findet man dann die typischen Touristenläden mit dem Müll, der angeblich typisch Deutsch ist. Aber gibts denn ein typisch Deutsch? Bei all den verschiedenen Typen (Norddeutsche, Bayern, Saarländer, usw.) kann man uns eigentlich nicht verallgemeinern. Man kann nur seinem Gastkind zeigen, dass man kein Klischee ist und hoffen, dass es das in seinem Land erzählt.

Justine hat auch ihr erstes Oktoberfest hinter sich gebracht. Natürlich stilecht im Dirndl. (Uh, Mist, Klischee) Sie hat wirklich sehr schnell Anschluss gefunden. Auch vom Oktoberfest kam sie mit vielen neuen Bekanntschaften zurück. Unter anderem hat sie zwei andere amerikanische Jugendliche von einer anderen Organisation getoffen. Irgendwie ist es so, dass sie kaum irgendwo auftaucht, alle Welt sie liebt. Es ist auch verständlich. Sie ist so nett und offen. Geht auf andere zu und versucht so viel von ihrer Zeit mit zu nehmen, wie es geht. Teilweise habe ich schon ein schlechtes Gewissen, wie toll alles ist und bei andern gibt´s dann Probleme mit der Sprache. Unser Problem ist: „Heidi, könntest du bitte etwas mehr Deutsch sprechen?“ Oder die Frage: „Was magst du essen?“ Ist ihr egal. Ich mach sie glücklich mit Schokolade und Käse. Aber nur so einseitig ist ja auch nichts. Allerdings hat sich unser Nutella und Ernussbutter Verbrauch sehr gesteigert. Egal, ich freue mich, dass ich ihr mit solchen Kleinigkeiten eine Freude machen kann.

Wir haben jetzt noch ein paar nette Ausflüge vor uns. Aachen haben wir am Sonntag nach dem AFS Camp gemacht. Ich dachte, lass uns nach Aachen gehen. Zum Sonntag ist es sicher nicht so voll. Tolles Wetter, alles gemütlich. Und was war? Verkaufsoffener Sonntag. Gedränge, volle Gassen. Schön gemütlich ist was andres. Dann dachte ich, es sei vielleicht toll, den Sonnenuntergang vom Lousberg aus zu sehen. Natürlich kamen wir nur ein paar Minuten zu spät. Aber viel gesehen haben wir trotzdem. Jetzt warten wir mal auf die Adventszeit. Da warten ja noch Weihnachtsmarkt und die Nikolausfahrt mit der Selfkantbahn. Da freu ich mich schon drauf. Und die Kinder sicher auch. Erlebt man ja auch nicht jeden Tag.

Ja, ich weiß, es war jetzt nicht so spektakulär und vielleicht auch nicht so lustig, wie sonst. Aber vielleicht erleben wir demnächst wieder ein paar lustige Abenteuer. Jetzt freuen wir uns einfach nur, dass wir uns gut verstehen und es keine großen Probleme bei uns gibt. Ich warte mal ab, was die nächste Zeit bringt. Ich habe auch durch dieses Abenteuer neue Freunde gefunden. Und ich bin froh darüber, dass wir den Schritt getan haben, unser Haus und unser Leben für einen Fremden zu öffnen.

Sprachliche Unterschiede – nur von den Deutschen jetzt

Wie komme ich auf die Überschrift? Gute Frage. Ganz einfach: 80. Geburtstag meiner Oma. OK, kann ja nichts besonderes sein. Und ob. Es waren einige Regionen vertreten. Angefangen bei den Saarländern, denn da komme ich ja her. Weiter gehts nach Baden-Württemberg, denn auf der schwäbischen Alb wohnt meine Tante mit Familie und in Ravensburg mein Onkel mit Familie. Zudem spricht mein Onkel mit seinen Kindern französisch. So viele Dialekte und alles in deutsch. Trotzdem schwierig zu verstehen.

Also legen wir mit meinen Eltern los. Meine Mutter, die vor 37 Jahren von den Niederlanden nach Deutschland (naja, eigentlich ins Saarland, denn richtig deutsch hat damals dort keiner gesprochen) eingeheiratet ist und meinem Papa, der hochdeutsch eigentlich nur in Schreibform beherrscht. Mein Papa kuckt auch meistens recht böse. Dazu sein Dialekt. Hui. Aber Justine hats überlebt. Ist ja nicht die einzigste. Als vor über zehn Jahren die japanischen Jugendlichen über das Simultanaustauschprogramm der DSJ da waren, hat er sich wortlos mit Naoya verstanden. „Probier das hier mal!“ war übersetzt „Ich steck meine Nase ins Nutella-Glas, rieche dran und halte es ihm hin“. Gut, Justine hat etwas mehr Deutschkenntnisse. Trotzdem wars für sie sehr schwierig. Meine Mama dagegen hat so durcheinander gewürfelte Sätze von sich gegeben, dass sie teilweise selbst lachen musste. Wenn sie was auf englisch sagen will übersetzt sie das deutsche in niederländisch und dann ins englische und umgekehrt. Kein Wunder, dass es da etwas Durcheinander gab. Aber beide waren wie es halt im Saarland üblich ist, sehr offen. Es ist einfach so, dass alle sehr offen sind und sich freuen, wenn Gäste da sind.

Mein Opa, herrlich wie immer. Hat keinerlei irgendwelche Kenntnisse in anderen Sprachen. Spricht Justine trotzdem an im breitesten Saarländisch, das er kann: „Wooohnschde bei em?“ – Übersetzung: „Wohnst du bei Heidi?“ Hätte ich ne Kamera zur Hand gehabt, ich hätte Justines Gesicht fotografiert. So hilflos wie sie aussah. Japanisch hätte sie wohl genauso gut verstanden. Ich meinte nur, dass wenn er schon kein Deutsch spricht, er es langsam versuchen sollte. Aber nichts zu machen. Er hats nicht geschafft. Macht nichts, er muss in seinem Alter auch kein Deutsch mehr lernen. Ich war ja dabei zum übersetzen. Auch die Fragen, die öfter mal kamen. Übrigens hat er sich an der Feier von Justine mit dem typischen amerikanischen „Servus“ verabschiedet. Passt er zu seiner Schwester, denn die meinte „Grüß Gott, so sagt man doch bei Euch da oben!“ Da ist es egal, ob man aus Amerika, England, Frankreich, Japan, Deutschland oder China kommt. Einfach mal die Leute im eigenen Dialekt ansprechen und sich öfter mal vorstellen. Irgendwann klappts mit der Verständigung.

Meine Cousins und Cousinen. Für meine Cousins musste ich immer übersetzen. Sie haben sie nie getraut mal was zu sagen. „Justine hatte schon vier Jahre Deutsch in der Schule. Sie versteht recht gut, wenn man man langsam spricht.“ – „Nein, ich will lieber nicht. Mach du mal!“ Wie oft ich das in den paar Tagen gehört habe. Manche Menschen muss man einfach zu seinem Glück zwingen, wie meine Cousine Madeleine. Nick nannte sie und Justine sogar Zwillinge. Passte auch gut, denn teilweise saßen sie unabhängig voneinander in der komplett identischen Pose. Ihre Interessen sind sich auch sehr ähnlich. „Heidi, kannst du nicht mal was fragen?“ Saß die tatsächlich am Tisch und hat sich Justines Blog durchgelesen. Da hat meine Mama, ja sie kann sehr energisch sein, einfach die Stühle zusammen geschoben „So, jetzt unterhaltet Euch mal!“ Und das wars dann. Die Zwillinge waren beschäftigt. Einmal angefangen waren sie nicht mehr zu stoppen. So schnell findet man neue Freunde.

Was die Überwindung angeht, eine fremde Sprache zu probieren sind doch alle gleich. Justine hat Angst, in Deutsch was falsches zu sagen, alle anderen haben Angst, mal was auf Englisch zu sagen. Es könnte ja sein, dass da was falsches dabei ist. Wie sagte ich letztens zu Justine? Und wenn schon, scheiß drauf! Shit on it! Man kommt nur weiter, wenn man auch was probiert. Ohne Fehler gehts einfach nicht, das wäre langweilig.

Einmal Himmel und zurück

Wir waren also in Schwangau fertig. Glücklich machten wir uns auf den Weg Richtung Oberstdorf. Mit einigen kleinen Handy-Problemen. Aber wenn man sich halbwegs auskennt, kommt man auch gut ohne Navi ans Ziel. Allerdings hatte ich Probleme, jemanden im Hostel zu erreichen. Ans Telefon ging keiner und die Email wurde nicht versendet. Die Zeit ging immer schneller vorbei und wir mussten doch bis 18 Uhr Bescheid geben, dass wir noch kommen. Haben immer mal unterwegs gehalten und weiter mit anrufen probiert bis es klappte.

Unser Weg führte uns über Pfronten und Nesselwang ins Tag von Bad Hindelang. Über viele Serpentinen ging es. Bei jeder Kurve hörte ich nur noch glückliche Geräusche. Die Worte sind Justine schon vorher aus geblieben. Naja, nicht alle. Denn ziemlich oft kam ein „Cow“. Kann ich verstehen, die hellbraunen Allgäu-Kühe sind einfach die schönsten Kühe der Welt. Das Wetter war immernoch ein Traum. Dann waren wir in Sonthofen. Bei mir regten sich mal wieder die Tränen. Es ist einfach daheim. Nur noch Oberstdorf erreichen und dann die Spielmannsau finden. Wenn man denkt, dass der südlichste Ort in Deutschland auch ganz unten in Deutschland liegt, sollte man auf der Karte nachschauen. Denn da geht´s noch sehr viel weiter runter. Wir hatten Oberstdorf hinter uns gelassen und hatten noch 15 Minuten Restzeit auf dem Navi. Die Gegend war richtig abgelegen. Irgendwann rief Justine: „I saw a building!“ Tatsächlich, ein Haus. Aber trotzdem noch 10 Minuten vor uns. Die Fahrt hat sehr viel Spaß gemacht. Auch wenn Justine nicht verstehen konnte, wie ich diese Unterkunft finden konnte. Wie überhaupt jemand diese Unterkunft finden kann. Unglaublich im Nirgendwo tauchten dann ein paar Häuser auf. Wir sind angekommen. Haben unser Zimmer mit W-LAN bezogen und genossen noch ein paar ruhige Minuten draußen auf der Terrasse. Wie wunderschön kann es irgendwo sein, wenn man nur das Rauschen eines Baches und das Plätschern eines Brunnens hört. Selten habe ich so einen Frieden erlebt. Hier hätte ich viel länger bleiben können.

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Am Morgen gings früh los. Kurz was kleines frühstücken, bezahlen und los. Ist ja ne weite Strecke nach Oberstdorf zurück. Aber die Nebelhornbahn haben wir richtig schnell gefunden. Schnell alles wichtige in den Rucksack gepackt, die wichtigen Sachen mitgenommen und los gings. Ich muss schon sagen, allein der Anblick hat mir schon Bauchweh bereitet. Aber es gibt für mich leider nur die eine Möglichkeit nach oben zu kommen. Würde ich hochgehen, käme ich vielleicht zehn Höhenmeter hoch, und dann ist es mit meiner Wandertour vorbei. Also warteten wir auf die erste Gondel. Ja, für ganz nach oben muss man mit drei (!) fahren. Mir zittern jetzt noch die Knie, wenn ich an dieses Schaukeln denke. Gruselig. Das Beste erwartete uns ganz oben. Viel Wind, viel Aussicht (unser Surfer Hostel Chef erzählte mir ja schon vom Föhn, aber was uns dort erwartete, unbeschreiblich), Sprachlosigkeit, Ehrfurcht und Sonnenschein. Ich habe noch nie sowas gesehen. Das Nebelhorn mit seinem 400-Gipfel-Panorama hat seinem Namen alle Ehre gemacht. So etwas überwältigendes habe ich lange nicht mehr gesehen. Am Gipfel haben wir noch ne kleine Gams gesehen. Ja, unsere Tour hat doch schon alles wunderbare gezeigt, was man da oben entdecken kann. Wir hatten geplant, vom Gipfel nach Oberstdorf runter zu laufen. Bis zur ersten Station gings auch recht flott. Aber ab da gings einfach nur noch steil bergab. Ich kanns noch nicht glauben, dass wir da runter gekommen sind. Am liebsten hätte ich mich öfter mal auf den Boden gesetzt und wäre im Sitzen runter. Ging leider nicht. Wir mussten zu Fuß runter. Deswegen haben wir auch beschlossen, dass wir einfach ab der nächsten Station mit der Gondel weiter runter fahren. Wer weiß, wie lange das alles gedauert hätte mit Laufen. Mussten ja schließlich noch heimfahren und was essen. Ich kann auch nicht mehr sagen, ich lasse lieber Bilder sprechen.

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Als wir mit der Gondel an der Talstation ankamen, wollten wir nur noch Pause machen und was essen. Zum Glück gabs direkt gegenüber ein Restaurant, in dem wir unsere Kässpatzen essen konnten. So richtig, fast bis zum Platzen, gefüllt haben wir noch ein paar Postkarten besorgt und sich auf dem Heimweg in Obermaiselstein vorbei gefahren, weil ich da eine wunderschöne Stelle zum Panorama kucken kenne.

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Dann gings nur noch Richtung Saarland. Es war aber auch ein langer Heimweg mit sehr, sehr, sehr vielen Staus unterwegs. Und weils so schön ist, gabs ab Karlsruhe noch Regen. Wir sind aber gut angekommen und hatten noch die Höhensonne im Gesicht gespürt, als wir ins Bett gingen. Zumindest ich mal.

Touri-Tour

Ja, der Name ist Programm. Wir machten eine typische Touri-Tour. Typisch? Nein, eigentlich nicht. Denn typisch gibt´s bei mir nicht. OK, Justine wollte Neuschwanstein sehen. Aber nur Neuschwanstein? Langweilig. Wenn wir schon unten im Allgäu sind, dann aber auch bitte mit Aussicht und Bergtour. Mh, was kam infrage? Klar, wenn dann schon die schönste Ecke, die Allgäuer Hochalpen. Und dann am besten auch „das Höchste“. Wir gehen aufs Nebelhorn, OK, wir sind gefahren, für die Kleinlichen. Aber alles an einem Tag? Nein, das ist nicht möglich. Mit der Fahrt und Besichtigung. Also hab ich mich auf Suche nach ner unvergesslichen Übernachtung gemacht. Jugendherberge? Mh, möglich. Gibt´s nicht noch ein Hostel in der Nähe? JA, das Mountain Hostel (www.mountain-hostel.de). Übernachtung sehr preiswert, der Rest? Sollten wir sehen. Die Tour mühevoll geplant. Aber Schuhe brauchten wir noch. Also schnell zu Decathlon und richtig schöne und gute Wanderschuhe gefunden. Schön, richtig. Wir wollen ja gut aussehen auf dem Berg.

Dienstag gings dann los zu meinen Eltern. Dort haben wir Nick abgegeben und Mittwoch morgen gings los. Ich bin gefahren und Justine war für die Musik zuständig. Ideale Zusammensetzung. Bei der Abfahrt war das Wetter echt beschissen, es hat geregnet, war ungemütlich. Eigentlich nichts, was wir sehen wollten. Aber ab Karlsruhe wurde es besser. Der Regen hörte auf, die Sonne kam nach Stuttgart und die Berge schon viel früher in Sicht als erst am „Tor des Allgäus“. Bei mir fließen die Tränen und Justine war begeistert. Je näher wir kamen, umso schneller wurden wir. Unglaublich wie toll und sonnig das Wetter war. Hätte keiner geglaubt, wenn wir nicht Bilder gemacht hätten. Toll. Angekommen am Schloss-Areal (anders kann mans nicht nennen. Muss man gesehen haben) machten wir uns bereit und los gings. Tickets kaufen, was kleines essen und ab zum Bus nach oben. Gestalten (meist asiatisch) rennen da rum. Unglaublich. Verpeilt ohne Ende. Ja, es dauert, bis man oben am Schloss ist. Entweder man nutzt die Fahrmöglichkeiten (Bus oder Kutsche) oder versucht sich zu Fuß. Wir haben uns für die Busfahrt entschieden. Und nicht nur wir, Miss Piggy war auch mit an Bord. Ganz schnell kamen wir oben an. Zuerst schickte ich Justine auf die Marienbrücke. Ich habs mir von weitem angesehen. Es gibt zwei Gründe, warum ich da nicht rauf gehe: 1. Es sind 146m, die mich vom Erdboden trennen. 2. Die Brücke ist IMMER voll. Wie viele Japaner kann die Brücke aushalten??? Nein, es macht mir eindeutig zu viel Angst. Aber der Blick von der Brücke auf Neuschwanstein ist unbeschreiblich. Woher ich das weiß? Ich habe Bilder davon. Auf dem kurzen Weg zum Schloss haben wir einen schönen Blick auf Hohenschwangau mit dem dahinter gelegenen Alpsee genossen. Außerdem wieder viele skurile Gestalten (Miss Piggy war auch wieder dabei). Und warum kaufen die Japaner König Ludwig Bierflaschen, bevor sie die Schlossbesichtigung machen? Ich glaube, das ist ein Mysterium, das wir nie erkunden werden und auch nicht können. Ich kann nur sagen, das Herbstlaub, die Sonne, das Schloss, die Touristen, es war wie eine Reise in eine andere Dimension. Wir nahmen uns die Zeit all das zu beobachten. Angefangen von den verschiedenen Gangarten der verschiedenen Menschengruppen bis hin zu: „Warum kaufen die Leute sich den ganzen Scheiß, bevor sie ins Schloss gehen????“ Ja, da sind einige mit ner leeren Tasse ins Schloss gegangen. Oder die Leute beim reingehen zu beobachten, ein Traum. Warum? Ganz einfach. Man bekommt ein Ticket, das hält man in den Automat und kann dann durchs Drehkreuz zur Führung gehen. (Jetzt mal ehrlich. Ich habe nichts gegen Japaner, im Gegenteil. Ein paar meiner liebsten Menschen sind Japaner, auch wenn ich sie schon lange nicht mehr gesehen habe und nur über Facebook verfolgen kann, was sie tun. Aber die meisten Granaten am Schloss waren einfach die Japaner.) Also man sollte doch eigentlich glauben, dass bei einem so fortschrittlichen Volk, wie den Japanern es verbreitet ist, wie man ein Drehkreuz benutzt. Oder einfach nur Bilder zu lesen. Denn das war es. Ticket rein, Ticket raus und gehen. Nein, ich glaub, die älteren Damen warteten darauf, dass das grüne Männlein auf dem Bildschirm kommt und sie über das Drehkreuz hebt. Ich hätte den ganzen Tag dort stehen und zusehen können. Aber dann kam mein Wunsch nach was warmen zu trinken (ja, es war Kaffee) wieder zum Vorschein. Hey, was für ne Idee. Etwas unterhalb gibt´s doch ein Touri-Souvenier-Shop mit typischen deutschem Klischee-Müll. Da wirds ja sicher was zu trinken geben. Hat es auch. Und sogar ein Sonderangebot. Eine Tasse, die Füllung mit heißem Getränk und ein Stück Kuchen. Wahnsinn. Wir haben uns mal angestellt und ich wollte wissen, was es denn für Kuchen gibt. Unglaublich. Diese Auswahl an Kuchen hätte ich fotografieren sollen. Es gab die Auswahl zwischen kleinen Scheiben Fertigkuchen, Mini-Waffeln von Aldi und Doppelkeksen (natürlich nur einer pro Tasse). Egal. Besser als nichts. Außerdem hatten wir noch zwei Tassen bekommen. Und so schön kitschige Tassen. Eigentlich sollte einem komplett der Durst vergehen, wenn man die Richtung Mund hebt. Da wurde uns auch klar, warum die Leute eine leere Tasse mit ins Schloss schleppten. Es gab die beim Kaffee dazu. Aber ich habe unsere wenigstens im Rucksack verstaut.

Jetzt zu unserer Führung. Justine hat sich dazu entschlossen, die deutsche Führung zu buchen. Warum? Die war ne Stunde früher dran. Was sie nicht verstand habe ich ihr als Zusammenfassung übersetzt. Wir hatten einen guten Guide erwischt. Er hat ein paar Sachen erzählt, die selbst ich noch nicht kannte. Es war alles sehr interessant und erstaunlich. Wie klein die Menschen in dieser Zeit doch waren. Oder sie haben es einfach nicht geschafft, Betten zu bauen, die lang genug waren. Denn irgendwie sahen alle Betten nicht so aus, als ob irgendwer, der länger als 1,50m ist, da rein passt. Auch nicht das gothische Albtraum-Bett von Ludwig. Das Ding verursacht mir jedes Mal Atemnot. Ich würde sicher ersticken, müsste ich nur ne viertel Stunde da drin verbringen. Leider ist die Führung immer sehr schnell vorbei, da nur wenige Räume fertig wurden und die zweite Etage komplett als Souvenier-Shop umgebaut wurde. Ja, irgendwie muss man ja die letzten Räume nutzen. Also machen wir doch noch ein Cafe und zwei offizielle originale Neuschwanstein-Shops. Denn man kann davon ja nie genug haben. Und das absolute Highlight in einem dieser Shops war ein Shirt mit Bart Simpson mit dem Aufdruck „Ich liebe München“. Ganz klar. Ich wünsche mir auch nichts sehnlicher, als dieses Shirt im Neuschwanstein-Shop zu kaufen. Mein größter Wunsch würde so in Erfüllung gehen. Es passt so gut zusammen.

Wir sind also durch den Gefängnis-Tunnel (es ist kein echtes Gefängnis, aber sah verdammt danach aus) wieder ins Freie gelangt und gemütlich zum Auto zurück gewandert. Der Rest folgt vielleicht morgen. Unser Abenteuer ging noch weiter. Aber die Touri-Tour war damit vorbei.

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